Zellbiologie von Krebserkrankungen

Florian Bassermann

Florian Bassermann ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Rechts der Isar in München. Sein Medizinstudium absolvierte er in Ulm, München und New York, seine Doktorarbeit schloss er im Jahr 2002 an der TU München ab. Nach mehrjähriger klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit am Klinikum Rechts der Isar nahm er 2006 eine Stelle als Postdoc an der renommierten New York University an. 2009 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde DFG-geförderter Emmy Noether-Gruppenleiter. Im selben Jahr legte er seine Facharztprüfung im Fach Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie ab und habilitierte. 2011 wurde er Oberarzt am Klinikum Rechts der Isar, 2015 erhielt er einen Ruf als Professor. Im Jahr 2017 wurde er schließlich Direktor der III. Medizinischen Klinik. Seine Forschungsgruppe zog im Jahr 2018 in die neuen Räumlichkeiten des TranslaTUMs.

Forschungsschwerpunkte

Unser Labor untersucht die Pathophysiologie und Entstehung maligner Erkrankungen, besonders die hämatologischer Neoplasien (B-Zell-Neoplasien, aktue Leukämien) und bestimmter solider Tumoren wie Lungenkrebs.

Speziell untersuchen wir Ubiquitin-abhängige Signalwege und andere posttranslationale Mechanismen. Die Mehrzahl der zellulären Proteine wird über das Ubiquitin-Proteasom-System (UPS) abgebaut. Das UPS reguliert damit Schlüsselvorgänge in der Zelle – etwa die Progression des Zellzyklus, die Reparatur von DNA, die Immunantwort, den Stoffwechsel und den programmierten Zelltod. Ubiquitinierung leitet jedoch nicht nur den proteasomalen Abbau von Proteinen ein, sondern übernimmt auch eine wichtige regulatorische Funktion in der Zelle.

In der Pathogenese von Krebserkrankungen spielt die Dysregulation des UPS eine große Rolle – etwa, wenn Proteine mit anti- oder pro-proliferativen Eigenschaften vermehrt abgebaut oder vor dem Abbau durch das Proteasom geschützt werden. Therapeutisch wird das System bereits angegriffen, etwa mit dem Proteasom-Inhibitor Bortezomib, der in der Behandlung des multiplen Myeloms und des Mantelzelllymphoms eingesetzt wird.

Unser Labor setzt multi-OMIC-Technologien (Genomics, Proteomics) und CRISPR/Cas9-Screens ein, in denen Enzyme aus dem Ubiquitin-System ausgeknockt werden, um neue Zielstrukturen für Krebstherapeutika zu identifizieren. Eines unserer wichtigsten Ziele ist es, die im Labor gewonnenen Erkenntnisse auf Mausmodelle und Patientenproben aus der Klinik zu übertragen (translationale Forschung). Im Rahmen von Kollaborationen sollen schließlich therapeutische Angriffsmöglichkeiten für die identifizierten Zielstrukturen entwickelt und in klinischen Studien getestet werden.

Aktuell untersucht unser Labor unter anderem, welche Rolle Ubiquitinierung bei der Regulation von Immun-Checkpoint-Rezeptoren in Lungenkrebs spielt und wie immunmodulatorische Substanzen (IMiDs) in hämatologischen Erkrankungen auf molekularer Ebene wirken.

Wichtige Auszeichnungen

  • Galenus von Pergamon Research award (2017)
  • Consolidator Grant from the European Research Council (2015)
  • Langener Science Award from the Paul Ehrlich Institute (2015)
  • Theodor Frerichs Prize from the German Society of Internal Medicine, DGIM (2015)
  • Walther Flemming Medal from the German Society of Cellular Biology, DGZ (2010)
  • Emmy Noether Program from the German Research Foundation, DFG (2008)
  • AACR-Astellas USA Foundation Fellowship in Basic Cancer Research from the American Association of Cancer Research (2008)

Ausgewählte Publikationen

  • Fung E, Richter C, Yang HB, Schäffer I, Fischer I, Fischer R, Kessler BM, Bassermann F, D’Angiolella V, FBXL13 directs the proteolysis of CEP192 to regulate centrosome homeostasis and cell migration, EMBO Rep 19 (3): (2018).
  • Eichner R, Heider M, Fernández-Sáiz V, van Bebber F, Garz A K, Lemeer S, Rudelius M, Targosz B S, Jacobs L, Knorn A M, Slawska J, Platzbecker U, Germing U, Langer C, Knop S, Einsele H, Peschel C, Haass C, Keller U, Schmid B, Götze K S, Kuster B, and Bassermann F, Immunomodulatory drugs disrupt the CRBN-CD147/MCT1 axis to exert anti-tumor activity and teratogenicity, Nature Medicine 22 (7):735–743 (2016).
  • Engel K, Rudelius M, Slawska J, Ahangarian Abhari B, Altmann B, Kurutz J, Brunner A, Targosz B S, Loewecke F, Knorn A M, Gloeckner C J, Ueffing M, Fernandez-Sáiz V, Baumann U, Fulda S, Pfreundschuh M, Trümper L, Klapper W, Keller U, Jost P J, Rosenwald A, Peschel C, Bassermann F, USP9X stabilizes XIAP to regulate mitotic cell death and mediate resistance to anti-tubulin chemotherapeutics in aggressive B-cell lymphoma, EMBO Mol Med 8 (8):851–862 (2016).
  • Baumann U, Fernandez-Saiz V, Rudelius M, Lemeer S, Rad R, Knorn AM, Slawska J, Engel K, Jeremias I, Li Z, Tomiatti V, Illert AL, Targosz BS, Braun M, Perner S, Leitges M, Klapper W, Dreyling M, Miething C, Lenz G, Rosenwald A, Peschel C, Keller U, Kuster B, Bassermann F, Disruption of the PRKCD-FBXO25-HAX-1 axis attenuates the apoptotic response and drives lymphomagenesis, Nature Medicine 20(12):1401–1409 (2014).
  • Fernández-Sáiz V, Targosz BS, Lemeer S, Eichner R, Langer C, Bullinger L, Reiter C, SlottaHuspenina J, Schroeder S, Knorn, AM, Kurutz J, Peschel C, Pagano M, Kuster B, Bassermann F, SCFFbxo9 and CK2 direct the cellular response to growth factor withdrawal via Tel2/Tti1 degradation and promote survival in multiple myeloma, Nature Cell Biol 15(1):72–81 (2013).
  • Bassermann F, Frescas D, Guardavaccaro D, Busino L, Peschiaroli A, Pagano M, The Cdc14B-Cdh1-Plk1 axis controls the G2 DNA damage response checkpoint, Cell 134(2):256–267 (2008)